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Darmsanierung


Einleitung
Bedeutung der Darmflora
Therapie
Weiterführende Literatur



Einleitung

Der Darm ist das größte Körperorgan des Menschen. Der Dünndarm ist etwa 3 - 5 Meter lang, der Dickdarm mißt ungefähr 1,5 - 1,8 Meter an Länge. Da sich im Darm zahlreiche Falten, Ausstülpungen und Vertiefungen befinden, beträgt die Gesamtoberfläche ca. 200 - 300 Quadratmeter. Im Vergleich dazu weist die Lunge etwa 50 - 80 Quadratmeter und die Haut gar nur 1,5 - 2 Quadratmeter Oberfläche auf.

Obwohl im Körperinneren liegend, ist der Darm mit der Außenwelt verbunden. Nach oben zu über Magen, Speiseröhre und Mund, nach unten hin über das After. Somit handelt es sich bei der Darmoberfläche um die größte Kontaktfläche des Menschen zu seiner Umwelt.

Um über diese große Oberfläche ein Eindringen körperfremder Bestandteile zu verhindern (z.B. Krankheitserreger, chemische Substanzen oder Allergene), weist der Darm ein dreifach gegliedertes Barrieresystem auf:

  • das Immunsystem der Darmwand: etwa 30 - 70% aller menschlichen Immunzellen sind hier lokalisiert,
  • die Darmwand selbst,
  • die Darmflora, welche im Idealfall eine normale Zusammensetzung aufweisen sollte.
Mannigfaltige Ursachen können zu einer Schädigung der Barriere führen, beispielsweise:
  • Fehlernährung
  • Medikamente: Antibiotika, Kortison, Chemotherapeutika
  • Strahlentherapie
  • Infektionen
  • Operationen im Bauchraum
  • psychische Faktoren

Nach einer Beschädigung der Barriere können Folgeerkrankungen auftreten, die nicht nur im Darm lokalisiert sein müssen, sondern häufig auch extraintestinale (= darmferne) Organe und Körpergewebe betreffen. Dabei kann es sich um folgende Erkrankungen handeln:

Darmerkrankungen:
  • Reizdarmsyndrom mit Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Colitis ulcerosa, Morbus Crohn

Darmferne Erkrankungen:

hier kann jedes Organ, jedes Körpergewebe betroffen sein; häufig finden sich beispielsweise Allergien, Hauterkrankungen (Akne, Neurodermitis) und rheumatische Erkrankungen.


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Bedeutung der Darmflora

Mit Darmflora wird die Gesamtheit der im Darm des Menschen lebenden Mikroorganismen bezeichnet; hauptsächlich handelt es sich hier um Bakterien. Im Verdauungstrakt leben bis zu 100 Billionen, das sind 1014 Bakterien. Diese Anzahl übertrifft die Zahl aller körpereigenen Zellen um das Zehnfache. Schätzungsweise tummeln sich 400 - 500 verschiedene Bakterienarten im Verdauungstrakt. Im Magen findet sich dabei aufgrund des sauren Milieus (Magensäure) die geringste, im Dickdarm die höchste Keimdichte (s. Abbildung). Das aufsummierte Gewicht aller Darmkeime entspricht etwa dem Gewicht der menschlichen Leber. Die Bakterien machen 50 - 60% der Stuhlmasse (Feuchtgewicht) aus.


Darmflora
Bildquelle: Alfred-Nissle-Gesellschaft e.V.


Alle Bakterien des Darmes sind Lebewesen und betreiben somit einen Stoffwechsel. Jede Bakterienzelle nimmt Nährstoffe auf und wandelt sie in ihrem Zellinneren in für sie brauchbare Substanzen und Energie um. Anschließend gibt sie die für sie nicht brauchbaren Bestandteile wieder in den Darm ab. Die Stoffwechselleistung der Bakterien entspricht dabei in etwa der der menschlichen Leber.

Den bakteriellen Abbau von Kohlenhydraten (= Einfach- und Mehrfachzucker) bezeichnet man als Gärung, den Abbau von Proteinen (= Eiweiß) als Fäulnis. Enstehen beim Abbau der Kohlenhydrate Säuren wie Essig-, Propion- und Buttersäure, sowie Alkohol, Wasser und das Gas Kohlendioxid, so entstehen beim Abbau der Aminosäuren (= Proteine, Eiweiß) toxische Substanzen (s. Tabelle), Ammoniak (toxisch) und die Gase Wasserstoff, Schwefelwasserstoff (toxisch) und Methan.


Aminosäure toxisches Abbauprodukt
Lysin Cadaverin
Arginin Agmatin
Tyrosin Tyramin
Ornithin Putrescin
Histidin Histamin
Tryptophan Indol und Scatol
Tab.: Durch Fäulnis entstehende toxische Abbauprodukte


Diese toxischen Abbauprodukte werden entweder sofort mit dem Stuhl ausgeschieden, teilweise aber auch vom Darm aufgenommen und führen zu einer Belastung der Darmschleimhaut. Von dort gelangen sie in die Leber und verursachen eine Belastung des Leberstoffwechsels. Aufgabe der Leber ist es, diese Substanzen zu entgiften. Auch die Darmgase werden zum Teil resorbiert. Auf dem Blutweg gelangen sie zur Lunge und werden dort abgeatmet. Bei üblem Mundgeruch sollte deshalb auch immer an eine Störung der Darmflora gedacht werden.

Bei ausgewogener Ernährung besteht ein Gleichgewicht zwischen Gärung und Fäulnis. So hemmt z.B. der bei der Gärung entstehende saure pH-Wert die Fäulnis.

Wie gelangen die Bakterien aber überhaupt in den Darm? Der Säuglingsdarm ist noch vollkommen steril. Die Besiedlung mit Darmkeimen beginnt bereits 3 - 24 Stunden nach der Geburt. Die Darmkeime stammen nur aus der Umgebung: aus der Haut- und Vaginalflora der Mutter, aus der Luft und der Nahrung. Es bleibt dabei dem Zufall überlassen, ob sich beim Säugling physiologische (= normale) oder bereits pathogene (= krankmachende) Keime ansiedeln. Es bilden sich im Säuglingsdarm sehr bald bakterielle Lebensgemeinschaften heraus, die wiederum zu zwei großen Familien zusammengefaßt werden können:

  • Aerobier: sie brauchen wie wir Menschen auch Sauerstoff zum überleben
  • Anaerobier: sie werden durch Sauerstoff abgetötet
Ein ausgewogenes Verhältnis der beiden Gruppen zueinander ist die Voraussetzung für einen gesunden Darm und damit gesunden Menschen. Eine gesunde, ausgewogene Darmflora erfüllt im Wesentlichen nachfolgende Funktionen:
  • Antagonismus gegen pathogene Keime: d.h. die Ansiedlung krankmachender Keime im Darm wird behindert oder weitgehend verhindert.
  • Stimulation des darmassoziierten Immunsystems und damit Steigerung der Abwehrkraft für den gesamten Menschen.
  • Abbau von für den Menschen unverdaulicher Kohlenhydrate: dadurch Produktion kurzkettiger Karbonsäuren (z.B. Essig-, Propion-, Buttersäure), die wiederum den Zellen der Darmschleimhaut als Energielieferant dienen.
  • Produktion von Vitaminen (Vitamine der B-Gruppe, Vitamin K).


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Therapie

Vor der Therapie steht eine genaue Diagnose. Hierzu ist die Untersuchung einer Stuhlprobe notwendig. Die anschließende Therapie - falls nötig - ist einfach, aber häufig langwierig.

Sie besteht in einer Reinigung des Darmes, der Bekämpfung von Pilzen, falls diese im Übermaß vorhanden sein sollten, sowie in der anschließenden Gabe vermehrungsfähiger, apathogener Bakterien.

Eine Ernährungsumstellung ist bei Vorliegen einer falschen, einseitigen Ernährungsweise meist zusätzlich empfehlenswert.


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Weiterführende Literatur

Dem interessierten Leser sei nachfolgend aufgeführte Literatur empfohlen:

  1. Alfred-Nissle-Gesellschaft (Hrsg.), Darmflora in Symbiose und Pathogenität. Hagen, 2001.
  2. Alfred-Nissle-Gesellschaft (Hrsg.), Die Rolle der Darmflora bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Hagen, 2000.
  3. Alfred-Nissle-Gesellschaft (Hrsg.), Reizdarmsyndrom. Beziehungen der Darmflora zum Krankheitsbild. Hagen, 2000.
  4. Kasper H., Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer, München - Jena, 2000.
  5. Löffler G., Petrides P.E., Weiss L., Harper H.A., Physiologische Chemie. Springer-Verlag, Berlin - Heidelberg - New York, 1979.
  6. Schmidt R.F., Thews G., Physiologie des Menschen. Springer-Verlag, Berlin - Heidelberg - New York, 1983.


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